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  • Aktionen im öffentlichen Raum

    Oh wie geil ist das denn, schau dir mal diese starke Aktion an!

    «Gute Aktionen überraschen, ähnlich wie gelungene Witze.»
    fälschlicherweise Bugs Bunny zugeschrieben

    Das Internet bietet viele Möglichkeiten, ein Publikum abseits der ausgetreten Medienpfade zu erreichen, es kann jedoch die Wirkung von Straßenprotesten nicht ersetzen. Umgekehrt mögen Aktionen im öffentlichen Raum der Stadt der Anlass sein, dass sich Bilder, Videos und Berichte über Aktionen im öffentlichen Raum des Internets verbreiten und dort noch einmal für Aufmerksamkeit sorgen. Aktionen im öffentlichen Raum funktionieren zumeist über bildhafte Ausdrucksformen, um etwas zu veranschaulichen. Ein gewisser Grad an Vereinfachung ist dabei nicht zu vermeiden. Trotzdem solltest du darauf achten, nicht so weit zu simplifizieren, dass sich Sachzusammenhänge verdrehen. Dicke Männer in Zylinderhüten sind zum Beispiel keine angemessene Darstellungsform für eine Kritik des Kapitalismus, der sich gerade durch unpersönliche Herrschaftsverhältnisse auszeichnet.

    Wie komme ich zu einer ausdrucksstarken Idee?

    Du weißt ganz genau, warum du gegen oder für etwas bist. Aber du weißt nicht genau, wie du das anderen bzw. einer größeren Öffentlichkeit vermitteln sollst? Oft glaubt man, nur mit besonders originellen Ideen, Aufmerksamkeit auf sich und seine Anliegen ziehen zu können. Das mag in vielen Fällen auch stimmen, hemmt aber in der Herangehensweise oft die Entwicklung guter und durchführbarer Ideen. Meist ist es ratsamer, zu recherchieren, was andere vor dir schon gemacht haben und dir anzschauen, warum und wie diese erfolgreichen Aktionen funktioniert haben. Wenn du dabei auf Aktionsformen und Protestmittel stossen solltest, die dir gefallen, oder die dir für deine Situation als passend erscheinen, was hindert dich daran, diese einfach für dich zu übernehmen? Keine Angst, durch die Aneignung und die Anpassung an die jeweils gegebenen Bedingungen wird jedes Plagiat zum Unikat! Die gängige Praxis der Aneignung und Anpassung von verschiedenen Aktionsformen hat dazu geführt, dass du aus einer breite Auswahl an Protestkultur und Widerstandsformen auswählen kannst. Du findest Bücher dazu, wie «go. stop. act!» zur Kunst des kreativen Straßenprotests und das «Handbuch der Kommunikationsguerilla», aber auch Webplattformen und Blogs, wie die BlogChronik der Kommunkationsguerilla.

    Kundgebung der Freunde des WohlstandsDer Frühling des Widerstands, die planen schon wieder Proteste.Reverse Graffiti mit der Message: Kohlenstoff Reduzieren!

    DENN SIE PLANEN SICHER NEUE PROTESTE
    ➊ Der «Club der Freunde des Wohlstands» bei einer sympathischen Kundgebung vor dem Österreichischen Parlament. Und sein wir uns ehrlich, dieses stilvolle Protest ist doch gleich etwas ganz anderes als die lauten Demos der ewigen Berufsdemonstranten. «Euer Neid kotzt uns an.»
    ➋ Der nächste Protest kommt bestimmt, wird von Zeitungen zur Warnung der Bevölkerung angekündigt, mensch ist vorbereitet. Umso bemerkenswerter ist es, wenn der Protest in Form überraschender Aktionen kommt. Wir wollen sympathisieren können, uns über Widerstand freuen und gewitzte Ausdrucksformen anerkennen können.
    ➌ Dass Aktionen schlichtweg “cool” sein können, das möchten sich freilich alle zu nutze machen, erst Recht die Werbeindustrie. Aktionen wie dieses Reverse Graffiti Kunstwerk und Video werden gerne für Kampagnen eingesetzt. Punkto Glaubwürdigkeit wird der Grassroots Aktionismus die Werbewelt aber immer ausstechen.

    Mach dir dein Thema und deine Zielgruppe bewusst

    Die wichtigsten Voraussetzungen für das Gelingen deiner Aktion sind die Eingrenzung des Themas und der Zielgruppe. Aktionen, die sich allgemein gegen die widrigen Umstände, den Kapitalismus und die Bösartigkeit der Welt richten, die haben zwar ihre Berechtigung, werden aber kaum ein Publikum erreichen, wenn sie keine Möglichkeit zur Identifizierung bieten. Oft kann es helfen, einen bestimmten Personenkreis anzusprechen und an dessen spezifische Erfahrungen anzuknüpfen. Das hieße konkret zum Beispiel, mit den in dieser Gruppe verbreiteten Klischees, Kodes und Running Gags zu arbeiten. Achte darauf, Thema und Zielgruppe immer gut aufeinander abzustimmen. Ein schönes Beispiel ist hier ein Hotelboykott in San Francisco bei dem sich LesBiSchwule Gewerkschaften mit den dortigen Hotelangestellten solidarisierten und zur Zeit des Christopher Street Day gemeinsam zum Boykott aufriefen. Die Aktion in der Hotellobby hat Elemente eines Flashmobs. Personen beginnen wie in einem Musical zu tanzen und singen dazu, wobei der Text sich als Boykottaufforderung entwickelt und dann zu Forderungen übergeht. Die sympathisch-lustige und klar die Message vermittelnde Aktion schafft Aufmerksamkeit in der Lobby des Hotels, erreicht sowohl Gäste als auch Personal und Management. Und sie gibt ein schönes einfaches YouTube Video ab, das sich gut verbreiten lässt und uns bis heute von dieser Aktion erzählt.

    Zu den relevanten Kriterien für die Auswahl der Zielgruppe können zum Beispiel Arbeitsverhältnis, Alter, Milieu/Klasse, Geschlecht, Wohnort, Sprache und da eventuell auch Dialekte gehören. Aktionen können integrativ, zugänglich und offen ausgerichtet sein. In dem Sinne fordern sie auf, sich informieren zu lassen. Oder sie können auch provozierend sein und auf Abgrenzung abzielen. Von einem konkreten Anliegen ausgehend, kannst du oft auch weiter reichende und prinzipiellere Kritik vermitteln. Nehmen wir zum Beispiel einmal an, du versuchst mit deiner Aktion, Anrainer für den Kampf gegen den Abriss eines Spielplatzes zu gewinnen. Mit guter Planung und deinem klar formulierten Anliegen wirst du vermutlich auf einigen Zuspruch stossen. Diesen kannst du nun nutzen, um am konkreten Einzelfall auch eine allgemeinere Kritik zu formulieren: an der überall sinkenden Lebensqualität in deiner Stadt, an der Beseitigung von Freiräumen im öffentlichen Raum oder sogar an der Tatsache, dass der Mensch im Kapitalismus ein von der Verwertungslogik geknechtetes Wesen ist, die keinen Raum für Spielplätze lässt. Deine Forderungen sollten also nicht nur verständlich und konkret formuliert, sondern auch inhaltlich fundiert sein. Deine Vermittlungsformen können ganz gut überraschend, illustrativ, ironisch-bissig und wohl auch etwas augenzwinkernd sein. ;-)

    Die Pointe finden, die Aussage in den Raum stellen

    Eine gute Aktion fußt immer auf dem Erkennen und Sichtbar Machen bestehender Strukturen und Konventionen und ihrer Wirkungsweisen. Eine Variante für die Konzeption einer Aktion ist es, diese Strukturen und Konventionen sichtbar zu machen, da sie durch den Gewöhnungseffekt von den meisten Leuten gar nicht mehr bemerkt werden. Zum Beispiel möchtest du mit einer Aktion gegen den steigenden Autoverkehr in deiner Stadt aufmerksam machen. Bei genauerer Untersuchung des Stadtbildes wirst du zahlreiche Merkmale für das hohe Verkehrsaufkommen bemerken – wie etwa den Dreck an Häuserfronten seitens dicht befahrener Straßen. Diesen Dreck kannst du wiederum wunderbar sichtbar machen, in dem du Reverse Graffitis an Mauern und Straßen anbringst.

    Eine weitere Möglichkeit ist, Bestehendes durch “Überaffirmation” zu verdeutlichen, also statt mit Kritik zu reagieren, was sowieso schon erwartet und daher als normal wahrgenommen wird, den Spieß umdrehen und mit überbordender Zustimmung überraschen. Ein gängiges Mittel sind hier beispielsweise Jubeldemos. Viel Erfolg und einige Aufmerksamkeit hatten Studierende der Freien Uni Berlin 2007 beispielsweise mit dem «Dieter Lenzen Fanclub of Excellence», den sie gegen für den geliebten Rektor der Universität ins Leben riefen. Mit euphorischen Sprechchören von «68 ist vorbei, nur der Markt, der macht uns frei», «Hoch die internationale Konkurrenz» und «Lenzen, Lenzen unser Idol, besser noch als Helmut Kohl» unterstützten die sendungsbewussten Anhänger_innen des Rektor dessen Politik, wo immer dieser zu öffentlichen Auftritten ansetzte.

    Du kannst Erwartungen konterkarieren, indem du den Fluss des Alltags und die Abläufe des in Bahnen gelenkten Lebens brichst. Ein simples Beispiel ist hier der “Freeze”, der durch die gleichzeitige totale Erstarrung mehrerer, sich normaler Weise bewegender Körper einen verstörenden Akzent an Orten mit hoher Fluktuation setzt. Wenn im Fluss der laufenden Bewegungen ein paar Menschen plötzlich erstarren und der Kontrast zu den Bewegungen der Anderen sichtbar wird, führt das zu einem “Inne-Halten” vieler Menschen in der Umgebung. Nebenbei eignet sich diese Aktion sehr gut zur Veranschaulichung per Video, wie dieses Beispiel eines Freeze vieler Fussgänger_innen verdeutlicht, die sich für einen Zeitraum von wenigen Minuten öffentlichen Straßenraum aneignen.

    Die Aktion, der Sprung ins kalte Wasser? Learning by doing

    Du hast eine Idee, ein Konzept, eine Zielgruppe und motivierte Mitstreiter_innen. Du hast an die Dokumentation gedacht, es wird ein Video abfallen, es wird gute Fotos geben wie hier in der Aktionen-Sammlung von unibrennt. Die Bilder werden sicherlich dazu geeignet sein, auf Facebook verbreitet zu werden, sie haben das Potential viral werden und Aufmerksamkeit für das Thema zu generieren. Aber bei dem Gedanken, auf der Straße in Aktion zu treten, wird dir und der Gruppe noch etwas mulmig zumute? Da wir unser ganzes Leben lang darauf trainiert werden, uns an gegebene Normen zu halten, ist das ganz normal. Mit ein bisschen Vorbereitung schaffst du es aber, Scheu und unbestimmte Ängste vor dem Auftritt in der Öffentlichkeit abzubauen und die Gruppe kann sich körperlich und geistig auf die kommende Situation vorbereiten. Und Vorbereitung, Übung bis hin zu einer Generalprobe macht Sinn. Denn auf der Straße kannst du mit deiner Gruppe ständig mit Situationen konfrontiert werden, die ihr nicht antizipiert habt. Dann heißt es gemeinsam schnell reagieren und voneinander wissen, dass alle mit unerwarteten Situation umgehen können. Komm dir also nicht blöd vor, wenn ihr in einem Zimmer Aufwärmübungen macht.

    Es ist vor jeder Aktion sinnvoll, Vorbereitungsübungen mit Augenmerk auf Körperspannung, die Lockerung etwaiger Anspannung und Öffnung der Haltung zu machen. Auf Protestformen mit erhöhten körperlichen Anforderungen (zum Beispiel Freeze) solltest du zusätzlich mit speziellen Übungen vorbereiten. Zudem beeinflussen Körperhaltung und Gestik unsere Meinung über andere Menschen meist stärker als Argumente. Egal ob man das gut oder schlecht findet, unsere Körperlichkeit hat auf alle Fälle großen Einfluss darauf, wie wir wahrgenommen werden. So ist es auch mit Plakaten, die Engagement versprechen oder zu Engagement auffordern. Wenn sie von nachlässig schlurfenden Menschen getragen werden, wirken sie nun mal nicht authentisch. Sich bestimmt und selbstbewusst bewegende Körper erreichst du ganz einfach, in dem du zuerst Übungen zur Aktivierung dieser Körper gemacht hast.

    Zugangsbeschränktes Sitzen neben dem für die Universitäten zuständigen Wissenschaftsminister.Können Sie beweisen, dass sie ein Recht haben, auf die andere Seite der Absperrung zu kommen?Angehörige der Rebel Clown Army bei der Demonstration Bologna Burns anlässlich des Europagipfels der Wissenschaftsminister_innen in Wien.

    DIE WELT IST VOLLER ZUGANGSBESCHRÄNKUNGEN
    ➊ Kurz nach der Explosion der Studierendenproteste 2009 in Wien will der Bundesminister vor versammelten Honoratioren eine Gebäude eröffnen. Bereits der Zugang zum Public Relations Event ist durch in der Gegend herumliegende Studierende beschränkt. Im Festsaal sind zudem Sitzplätze beschränkt, werden sie doch von ungeladenen Gästen besetzt. (Foto ©Martin Juen)
    ➋ Der ehemalige Banker und seit der Finanzkrise Aktivist Charlie Veitch arbeitet mit dem Megafon im öffentlichen Raum. Hier errichtet er für die Kampagne «No One Is Illegal» Grenzkontrollen mitten in London und wählt willkürlich aus, welche Dokumente vorgelegt werden müssen und wer passieren darf und wer nicht.
    ➌ Als im März 2010 die Bildungs- und Wissenschaftsminister der 47 Bologna-Staaten in der Hofburg 10 Jahre Bologna feiern möchten, drehen die demonstrierenden Studierenden aus mehreren Ländern den Spieß um und beschränken mit Sitzblockaden den Zugang der Partygäste zum Bologna-Gipfel.

    Bildet Bezugsgruppen und passt aufeinander auf!

    Wenn du eine Gruppe von Leuten gefunden hast, die mit dir eine Aktion durchführen, solltet ihr neben organisatorischen und rechtlichen Fragen auch über mögliche Unsicherheiten sprechen. Überlegt euch verschiedene mögliche Szenarien, was während eurer Aktion passieren könnte und wie ihr als Gruppe darauf reagieren wollt. Je offener ihr dabei über Ängste reden könnt, desto stärker könnt ihr euch später aufeinander verlassen! Seit euch im Klaren, dass nicht immer alle Alles wahrnehmen können, da sie vielleicht durch ihre Rolle oder Tätigkeit ein eingeschränktes Sichtfeld haben. Berücksichtigt das in eurer Planung. Überlegt euch, wie ihr die Aktion gegebenenfalls abbrechen könnt – etwa durch plötzliches Zerstreuen der Gruppe und ein späteres Treffen an einer vereinbarten Stelle. Um euch darüber in kritischen Situationen schnell verständigen zu können, solltet ihr vorher ein Signal vereinbaren. Innerhalb der Gruppe solltet ihr zumindest Namen und Geburtsdaten austauschen, um sie im Fall einer Festnahme an einen Rechtsbeistand weiterleiten zu können. Die Polizei kann aber zur Klärung der Identität zum Beispiel die “Anhaltung” verfügen.

    Das Recht zu demonstrieren an sich, ebenso wie das Recht sich im öffentlichen Raum zu bewegen ist unverzichtbar und kann auch von den Behörden nur begründet unterbunden werden. Die Gründe, warum Demos oder Aktionen vorab oder während ihrer Durchführung untersagt werden, sind aber nicht immer durchsichtig. Auf zivilen Ungehorsam, der sich nicht nur aus Untersagungen von Demos sondern auch aus Einzelaktionen ergeben kann, gibt es verschiedene Antworten der Behörden. Bei der Aktion selbst kann es sein, dass Ausweisen kontrolliert, Leute aufgeschrieben werden, wenn sie der Polizei als “tatverdächtig” erscheinen. Was mit diesen Daten passiert bleibt oftmals unklar.

    Auf Demonstrationen und bei größeren Aktionen gibt es häufig eine Rechtshilfe (in Deutschland Ermittlungsausschuss), an die ihr euch wenden könnt. Solltest du festgenommen, hast du das Recht auf Aussageverweigerung. Mach davon unbedingt Gebrauch! Die Aufgabe der Polizei ist es grundsätzlich, Schuldige zu finden, und nicht, dich zu entlasten. Selbst, wenn du dich mit einer Aussage selber nicht belastest, könntest du damit deine Mitstreiter_innen gefährden. Im deutschsprachigen Raum ist mensch nicht verpflichtet einen Ausweis mit sich herumzutragen. Sollte es zu einem gerichtlichen Verfahren kommen, kannst du dort – nach eingehender Beratung mit einem Rechtsbeistand – ohnehin noch Stellung nehmen.

    Rechtshilfe organisieren

    So unineressant es auf den ersten Blick scheint, zum Selbstschutz gehört auch eine rechtliche Planung. Ist die geplante Aktion eine Demo? Gehört sie angemeldet? Oder kann sie als sponane Demo qualifiziert werden und bedarf keiner Anmeldung? Die Anmeldeprozeduren sind überall ein bisschen anders, ebenso die Persönlichkeiten mit denen mensch bei den Anmeldungen zu tun hat. Manchmal jedoch gibt es Verwaltungsstrafen oder gar strafrechtliche Anzeigen. Die Verwaltungstrafe (bei unangemeldeten Demos oder reiner Menschen-Blockade von Straßen) hat rein bestrafenden Charakter und hat – abgesehen von der Unbill des finanziellen Verlustes – keine weiteren Folgen. Strafrechtliche Anzeigen sind da weit unangenehmer: ein Eintrag in den Strafregisterauszug kann bei der Jobsuche hinderlich werden, ein auch nur drohender Kurzurlaub hinter schwedischen Gardinen für Sachbeschädigung, Körperverletzung oder Widerstand gegen die Staatsgewalt kann sich auszahlen, kann aber auch unnötiges Nachspiel einer sonst gelungenen Aktion sein. Zur Vorbeireitung einer größeren oder riskanteren Aktion kann auch eine Rechtshilfe gehören. Dafür benötigt mensch nicht mehr als eine Person, die abseits der Aktion per Handy erreichbar ist und Daten von Menschen aufnimmt, die verhaftet worden sind oder sonst Rechtshilfe suchen. Nehmt dafür kein privates sondern ein eigenes Rechtshilfe-Handy und verteilt die Nummer unter den Aktivist_innen, bevor ihr startet. Optimalerweise hat die Rechtshilfe noch ein zweites Handy über das sie die Kontakte zu den Behörden herstellt.

    Bei manchen Aktionsformen, wie etwa dem Rebel Clowning, ist es schwierig, immer die ganze Gruppe im Blick zu behalten. Hier bietet es sich an, innerhalb der Bezugsgruppe nochmals Zweier-Teams zu bilden, die aufeinander aufpassen. Keine Panik! Diese Tipps sollen dir keine Angst vor dem Durchführen einer Aktion machen, aber eine gute Vorbereitung schützt dich und deine Gruppe.

    Regie: nicht nur der Aktion, auch des Films

    Für die erfolgreiche Protestaktion mit Witz, Biss und längeranhaltender Wirkung gibt es vier Aspekte, die jeder für sich besondere Aufmerksamkeit verdienen. Erstens gilt es die Konzeption so auszuarbeiten, dass die Aktion tatsächlich das anspricht und aufzeigt, was als Missstand sichtbar gemacht werden soll. Zweitens hängt viel an der Gruppe, am Vertrauen aller Beteiligten zueinander, an Arbeitsaufteilung und Hilfestellung untereinander. Drittens hilft die Vorbereitung von Kostümen und Materialien oftmals die Aktion sowohl lustiger als auch einfacher und flüssiger in der Durchführung zu machen. Viertens, das Aufwärmen nicht vergessen!

    • Investiere in Planungsarbeit! Diskutiere mit anderen das Thema, die Motivation und Ziel jeder Aktion. Thematisiere die Zielgruppe und versuche sie in allen Facetten vorab zu visualisieren.
    • Training, Training, Training! Körperarbeit machen, Lockerungsübungen, Generalproben. Vorbereitungsarbeiten und Trainings mobilisieren auch schon die Gruppe und machen Spass, etwa das basteln von Kostümen und Utensilien.
    • Klärt eure Zuständigkeiten und Ausstiegsszenarien, diskutiert eure Befürchtungen und Ängste. Es ist wichtig, vor allem aber hilfreich, wenn alle Beteiligten die Schwächen und Stärken der Mitstreiter_innen kennen und wissen, dass sie sich auf die anderen verlassen können.
    • Lerne von Beispielen und den Erfahrungen anderer, sei es um neue Protestformen zu entdecken oder um die Risiken von zivilen Ungehorsam und Aktionismus besser einschätzen zu können. Kümmere dich um Rechtshilfe-Unterstützung.
    • Eine tolle Aktion durchgeführt zu haben, die funktioniert hat, alle Teilnehmenden euphorisiert und Leute moblisiert hat und dann aber keine Bilder und Videomaterial von der Aktion zu haben. Das ist nicht nur bitter sondern auch ein Zeichen ungenügender Planung.
    • Du darfst dich durch Security-Kräfte, die Polizei oder aggressive Reaktionen nicht aus dem Konzept bringen lassen. Werde nicht persönlich, werde nicht wütend, verlier nicht die Selbstbeherrschung. Du hast geplant, antizipiert und trainiert, um auch in schwierigen Situationen kontrolliert und für deine Mitstreiter_innen berechenbar und verlässlich zu agieren.