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Test the social media
Journalistische Recherche im Web 2.0
«Wikipedia ist nach meiner Überzeugung das heimliche Leitmedium im Internet. Jeder, der im Netz war, war auch schon bei Wikipedia. Die Wikipedia, eingedampft auf einen Satz, ließe sich so beschreiben: Viele Leute erzählen freiwillig, was sie wissen. Das ist doch eine traumhafte Situation – gerade für uns Journalisten. Wir kennen das normalerweise nur so, dass die Leute nicht freiwillig erzählen, was sie wissen.»
Albrecht Ude, Netzwerk Recherche
Wenn eine soziale Bewegung die breite Öffentlichkeit sucht, dann braucht sie auch die klassischen Medien, denn nicht alle Bevölkerungsschichten sind über Social Media erreichbar. Dafür muss eine Bewegung wissen, wie die klassischen Medien funktionieren und nach welchen Regeln Journalist_innen arbeiten.
Informationsquellen – alte und neue
Grundsätzlich beziehen Journalist_innen Informationen über Neuigkeiten und Ereignisse von überall her. Die klassischen Quellen, aus denen sie von Ereignissen erfahren, sind Presseaussendungen und Nachrichtenagenturen, wobei bei Nachrichtenagenturen auch Journalist_innen arbeiten, die im Prinzip nach den gleichen Regeln vorgehen wie Journalist_innen bei Medien. Aus der Sicht von Aktivist_innen sind Nachrichtenagenturen also erste Adressatinnen ihrer Informationstätigkeit. Eine weitere wichtige Quelle für Journalist_innen sind direkte Kontakte zu handelnden Personen, Zeugen/Zeuginnen oder Mitwisser_innen von Ereignissen. Oft erfahren Journalist_innen auch durch eigene Beobachtungen oder durch Personen aus dem Bekanntenkreis von Geschehnissen und neuen Entwicklungen.
Immer wichtiger werden auch Beobachtungen und Informationen über das World Wide Web und Social Media-Plattformen. Facebook, Foren, Blogs und eine Reihe anderer Web-Plattformen werden von Journalist_innen für private und/oder berufliche Zwecke genützt. Sie werden bewusst gescannt, also nach interessanten und brauchbaren Informationen durchkämmt. Soziale Netzwerke dienen aber auch als Kontaktmöglichkeit zu Informant_innen. Für Journalist_innen ist es deshalb sinnvoll, Accounts mit Klarnamen anzulegen, um Kontakte knüpfen und halten zu können. Dabei gilt allerdings: Nicht jede Information ist interessant, nicht jede interessante Information ist brauchbar und nicht jede interessante und brauchbare Information ist für jede Journalistin und jeden Journalisten von Relevanz.
Twitter kann, als eine Art von “Markt für Neuigkeiten”, auch journalistisch genutzt werden. Mit dem Dienst Twazzup: Realtime News lässt sich die Online-Kommunikation zum jeweiligen Geschehen entlang von Hashtags so filtern, dass der eigene Bildschirm zu einem Echtzeit-Ticker und virtuellen Newsroom wird.
HEY, TWAZZ UP? … AND WHAT IS REAL NEWS?
➊ Nirgends erreichen uns heute die «Breaking News» schneller als via Twitter. Das Netz hat als Leitmedium für Breaking News längst CNN oder andere News-Channel abgelöst. Der über Hashtags gefilterte Informationsfluss – hier die Kategorien «#jan25» und «#egypt» für die Tweets aus und zu Ägypten im arabischen Frühling – ist schneller als jeder Live-Ticker der professionellen Massenmedien.
➋ Der Informationsfluss ist aber natürlich nicht aufbereitet. In den Tweets zum Hashtag «#Loveparade» während der Katastrophe in Duisburg 2010 vermischen sich Bilder von der Party mit ersten Bildern der Massenpanik, Tweets von vor Ort eingeschlossenen Personen mit Kommunikation von außen, darunter auch Nachrichten von Medien mit bereits überprüften Informationen.
➌ Für Journalist_innen ist der twitter-Echtzeitstream – hier zu «#S21 – bei Ereignissen mit Nachrichtenwert nicht Anlass die Informationen einfach zu übernehmen, sondern Anlass die Kommunikation zu beobachten und zu analysieren. Sie können darüber Bilder, Links, Infos und potenzielle Informant_innen als Ausgangspunkt für Recherche und Überprüfung von Quellen und Fakten sammeln.
Für wen ist das wohl eine Nachricht wert? Nachrichtenwert und Relevanz
Ein Ereignis muss neu, aktuell und für das Publikum des jeweiligen Mediums interessant und relevant sein, um in einem (Nachrichten-)Medium zu erscheinen. Die Relevanz bezieht sich auf das Erscheinungsgebiet und das potenzielle Publikum oder die Spezialisierung eines Mediums auf gewisse Themen. Eine Bezirkszeitung wird also nicht über den Widerstand gegen die Wahlmanipulationen im Iran berichten, wahrscheinlicher aber über die Proteste der Studierenden an der Fachhochschule der Bezirkshauptstadt oder über die Aktionen des Betriebsrates des größten Dienstgebers in der Region. Die «#iranelection»-Proteste sind umgekehrt sehr interessant für alle Medien, die sich mit Außenpolitik, Krieg, politischen Bewegungen und dem Nahen Osten beschäftigen, oder aber auch mit dem Web und Neuen Medien. Die #unibrennt-Bewegung war interessant für alle Medien, die über Politik, Bildung, Universitäten, Studierende berichten, oder allgemein über die Städte und Regionen, in denen die Proteste gerade stattfinden. Dabei waren einerseits die Gründe für die Proteste und ihre Inhalte sowie Gegenstimmen und Reaktionen Thema von Berichten. Andererseits wurde über die Tatsache berichtet, dass die Protestbewegung sich über das Web 2.0 und Social Media organisierte und darüber untereinander und mit der Öffentlichkeit kommunizierte. Umso mehr die Nutzung dieser Werkzeuge gang und gäbe wird, umso weniger wird diese Meta-Ebene jedoch Thema von Berichten sein.
Entscheidend für den Nachrichtenwert ist auch das Erscheinungsintervall eines Mediums. Für ein stündlich oder täglich neu erscheinendes oder aktualisiertes Medium ist das aktuell, was in der vergangenen Stunde oder am abgelaufenen Tag geschehen ist. In einer Monatszeitschrift oder einer 45-minütigen Fernsehdokumentation können gleiche Themen wie in tagesaktuellen Medien behandelt werden, allerdings mit anderen Schwerpunkten und anderen Zugängen. Was als neu und interessant gilt, ist immer eine Entscheidung der jeweiligen Redaktion. Üblicherweise gibt es bei Medien Redaktionssitzungen, in denen Themen vorgestellt und diskutiert werden, und wo dann von den Anwesenden gemeinsam oder von den Ressortleiter_innen oder dem Chefredakteur/der Chefredakteurin entschieden wird, welche Themen in welchem Umfang in welcher Ausgabe des Mediums erscheinen.
Die Faktenlage: Recherche und Überprüfung
Die wesentlichste Aufgabe im Journalismus ist die Recherche. Wie Informationen dann aufbereitet werden, ist zwar auch sehr wichtig und entscheidet darüber, ob eine Geschichte vom Publikum gefunden, aufgenommen (also gelesen, gehört oder gesehen) und verstanden wird, ist aber erst der zweite, dritte oder vierte Schritt. Eine Recherche zu unternehmen heißt, einem Thema und/oder einem Ereignis nachzugehen, den Hintergründen und Auswirkungen auf den Grund zu gehen. Recherchieren bedeutet ganz allgemein, Informationen zu sammeln, zu verknüpfen und diese dabei stets auf ihre Seriosität und Vertrauenswürdigkeit hin zu abzuklopfen. Journalist_innen müssen wissen, woher eine Information stammt, um diese überprüfen und deren Wahrheitsgehalt bewerten zu können. Sie sollten außerdem dem Publikum mitteilen, woher sie ihre Information bezogen haben, damit dieses den Wert einer Nachricht beurteilen kann. Das bedeutet nicht, dass Journalist_innen die Namen von Informant_innen in einem Artikel, Radio- oder Fernsehbeitrag nennen müssen, sie müssen ihre Quellen aber kennen. Eine Person kann in einem Bericht auch als «Frau F.», «Hubert», «der Sprecher der XY-Bewegung» oder dergleichen bezeichnet werden. Es muss jedoch erkennbar sein, welchen Bezug eine Person zu einer von ihr gemachten Aussage hat, und welches Interesse sie an der wahrheitsgemäßen oder verschleiernden Darstellung eines Ereignisses haben könnte.
Bei #unibrennt beispielsweise wollten die in der Protestbewegung engagierten Studierenden anfangs nur als “Plenum”, als “Kollektiv” und als “Bewegung” in den Medien vorkommen, nicht aber als Einzelpersonen – womöglich noch mit vollem Namen – genannt, zitiert oder interviewt werden. Der Protestbewegung ging es dabei nicht darum, ihre Identität zu verschleiern; niemand wollte sich und seine Person ins Rampenlicht stellen, “die Sache”, das gemeinsame Anliegen sollte im Vordergrund stehen. In der Medienwelt funktioniert das aber nicht. Erwünscht sind konkrete Personen, die für sich oder stellvertretend für eine Gruppe über Ereignisse, Vorhaben, Kritik, Ziele etc. sprechen und die zumindest beim Vornamen oder einem Nickname genannt werden können. Im Idealfall ist eine Person auch durch zusätzliche Informationen wie zum Beispiel Alter, Beruf, Erfahrungen, Herkunft usw. im Medium darstellbar – je nachdem, was für das jeweilige Thema relevant ist. Das macht einen Bericht und damit auch die darin beschriebene Bewegung nicht nur interessanter, sondern auch glaubwürdiger und vor allem greifbarer. Konkrete Beispiele und Schicksale wirken immer stärker und authentischer als eine anonyme Masse.
Bei sozialen Bewegungen wird die Recherche unter Umständen schwieriger sein, als bei Ereignissen und Entwicklungen, die mit Firmen, Behörden oder Institutionen zu tun haben. Letztere haben konkrete Adressen, Telefonnummern, Kontaktangaben auf Websites und eigene E-Mail-Adressen. Sie werden in Verzeichnissen geführt, in Handelsregistern, Grundbüchern, Amtskalendern. Sie haben eine Geschäftsführung, eine Telefonvermittlung, eine Pressestelle, ein Organigramm, einen Sitz usw. Protestbewegungen oder politische Initiativen hingegen können anonym, mit keiner oder wechselnder Führung, geheimen Treffpunkten, nicht organisierten öffentlichen Aktionen und unter anderen, schwer greifbaren Umständen auftreten. Wenn sie sich über eine eigene Website äußern, besteht zwar grundsätzlich eine Verpflichtung zur Angabe von Kontaktdaten, eine “Impressumspflicht”, diese Angaben können jedoch fehlen, unvollständig oder nicht korrekt sein. In diesem Fall kann versucht werden, über die Whois-Datenbank der zuständigen Internet-Registrierung herauszufinden, auf wen eine konkrete Web-Adresse registriert ist. Wenn soziale Bewegungen über Plattformen wie Facebook und Twitter an die Öffentlichkeit treten, via Flickr und YouTube Material veröffentlichen oder als anonymes transnationales Netz-Kollektiv auftreten wie zum Beispiel «Anonymous», dann fällt auch diese Möglichkeit weg.
Bei den Social Media-Plattformen besteht die Möglichkeit, einer Person oder Gruppe eine Nachricht zu schicken oder die Bitte um Kontaktaufnahme als Kommentar zu posten. In manchen Fällen ist dafür jedoch eine Registrierung bei der jeweiligen Plattform notwendig. Wenn eine soziale Bewegung über die gesamte Welt verstreut ist, sich einer geografischen und nationalen Zuordnung bewusst entzieht oder sich Anonymisierungsdiensten bedient, wird es für Journalist_innen immer schwieriger, Kontakt aufzunehmen und zu recherchieren.
Von Recherche zu Recherche: Verschiedene Quellenlagen
Eine für mich besonders schwierige Aufgabe war die Recherche über #iranelection, also die Protestbewegung gegen die Wahlen im Iran, die am 12. Juni 2009 durchgeführt worden waren. Mich interessierte als Journalistin, die für Technologiesendungen arbeitet, wie Web 2.0-Werkzeuge für politische Bewegungen genützt werden können. Es war interessant, dass diese Medien bei jungen Menschen im Iran schon stark verbreitet waren. Und es drängte sich die Frage auf, inwieweit die Bewegung mit diesen Werkzeugen etwas bewirken kann. Ich hätte bei meiner Recherche zu diesen Fragen freilich klären müssen, ob die diversen Blogs, Tweets und YouTube-Videos nachprüfbar wirklich aus dem Iran kommen, ob sie wirklich von Regimekritiker_innen stammen und ob die darin beschriebenen Vorgänge stimmen können. Das war aus mehreren Gründen schwierig.
Erstens war ich noch nie im Iran und kenne das Land, die dortige Politik und die Kultur nur von Medienberichten und aus Büchern. Zweitens verstehe ich die dort gesprochenen Sprachen nicht und kann keine persischen Schriftzeichen lesen. Allerdings war vieles auch in Englisch geschrieben. Und drittens habe ich keinerlei Kontakte in den Iran. Aus allen diesen Gründen konnte ich nicht überprüfen, ob die Meldungen über Twitter und Facebook, die genannten Personen und die publizierten Videos echt sind. Wenn die Zeit es erlaubt hätte, und es für meine Berichte notwendig gewesen wäre – wir haben in unseren Sendungen nicht so ausführlich über die Ereignisse berichtet beziehungsweise uns auf andere Schwerpunkte konzentriert – hätte ich jedoch Folgendes tun können:
Ich hätte nach Expert_innen für den Iran oder den Nahen Osten gesucht, sie kontaktiert und nach ihrer Einschätzung gefragt. Außerdem hätten sich auch Journalist_innen aus Österreich, Deutschland oder anderen westlichen Industrieländern finden lassen, die im Iran sind oder waren. Diese hätte ich ebenfalls um ihre Einschätzung ersucht. Über sie hätten sich eventuell auch Kontakte zur Protestbewegung knüpfen lassen. Ich hätte Exil-Iraner_innen finden können, die in Österreich leben. Eine weitere Möglichkeit wäre auch gewesen, über einen längeren Zeitraum hinweg systematisch Tweets, Blogs, YouTube-Videos und dergleichen zu beobachten und zu versuchen, Muster zu erkennen, Zusammenhänge festzustellen und die Plausibilität zu überprüfen. Schließlich hätte ich mich auf als seriös geltende frühere Studien und Analysen über den Iran stützen können, welche sich mit politischen und gesellschaftlichen Fragestellungen und Zusammenhängen befassen, und ich hätte versucht, sie auf die aktuelle Situation umzulegen.
Was ich bei meinen Recherchen gefunden habe, war eine Studie des Berkman Center for Internet and Society der Harvard University in Cambridge (USA), die sich mit der Blogosphäre im Iran beschäftigt hat und im April 2008, also relativ aktuell, erschienen war. Hätte meine Redaktion einen ausführlicheren Bericht über die Protestbewegung im Iran von mir gewünscht, hätte ich also aufgrund dieses Berichts Fachleute kontaktieren und interviewen und so die Social Media-Szene im Iran und ihre Meldungen besser einschätzen können.
DAS NETZ HAT DEN JOURNALISMUS BEREITS VERÄNDERT
➊ Mit der Ausgabe Nr. 18 widmet sich die Publikation «Werkstatt» des Netzwerkes Recherche bereits das zweite Mal dem Themenblock Online-Journalismus. Das Heft ist als PDF herunterladbar.
➋ Zur Herausforderung der Recherche im und via Internet gibt es natürlich auch Fachliteratur, so etwa von Thomas Leif (Hg.) das «Trainingshandbuch Recherche: Informationsbeschaffung professionell» oder von Marcel Machill et al. «Journalistische Recherche im Internet: Bestandsaufnahme journalistischer Arbeitsweisen in Zeitungen, Hörfunk, Fernsehen und Online».
➌ Bereits früh im Jahr 2007 interviewt der «Elektrischer Reporter» die Macher des populärsten Blogs im deutschsprachigen Raum, des BILD Blogs, das sich als journalistisches WatchBlog dem Journalismus der populärsten Zeitung Deutschlands widmet.
Im Vergleich zu #iranelection einfach war dagegen die Recherche zur studentischen Protestbewegung #unibrennt. Dort gab es vor allem die Möglichkeit, direkt an die Uni Wien ins besetzte Audimax zu gehen, die Situation über längere Zeit oder wiederholt zu beobachten, zufällig Anwesende, protestierende und arbeitende Studierende oder Gegner_innen anzusprechen, das Gesehene und Gehörte reportagehaft zu beschreiben. Darüber hinaus gab es die Live-Streams aus dem Audimax und anderen besetzten Hörsälen, mit deren Hilfe sich das Geschehen und die Diskussionen auch vom Schreibtisch aus beobachten ließen. Die Pressestelle versorgte die Journalist_innen laufend mit Presseaussendungen und verschaffte jederzeit Kontaktmöglichkeiten. Die Bewegung produzierte ihreseits viel für die journalistische Arbeit verwendbaren Contents: Fotos, Videos, Tweets, Kommentare. Die Termine der Aktionen und Veranstaltungen in den Hörsälen waren über Facebook, Twitter, das Orga-Wiki und andere Kanäle gut einsehbar. Und #unibrennt bekam auch viele prominente Gesichter: Bekannte Künstler_innen und andere Persönlichkeiten erklärten sich solidarisch, unterhielten Kontakte zur Protestbewegung und konnten aus ihrer Sicht die Bewegung und ihre Anliegen schildern.
Auch die “Lichterkette” für respektvolles Miteinander rund um das Wiener Parlament am 18. Juni 2009, ausführlich beschrieben in Philipp Sondereggers Beitrag zur Zivilgesellschaft 2.0, oder die Bewegung «Genug ist genug – für eine menschenwürdige Asylpolitik», die aus Anlass der Abschiebung der Familie Zogaj am 1. Juli 2010 eine Demo am Wiener Heldenplatz organisierte und von der Mitorganisator Robert Misik in seinem Beitrag berichtet, waren für Journalist_innen leicht zu kontaktieren und zu recherchieren. Beide Initiativen nahmen ihren Ausgang im Web, und mobilisiert wurde in beiden Fällen vor allem via Social Media. Die Initiativen hatten und haben Facebook-Gruppen mit realen Personen als Gründer, ein eigenes Blog bzw. Einträge in diversen Blogs sowie bekannte Persönlichkeiten als Initiator_innen oder Unterstützer_innen. Sie betrieben aktive Pressearbeit und verstanden es, das Web 2.0 nicht nur für die Mobilisierung der Bevölkerung, sondern auch der klassischen Medien zu nützen.
Zusammenfassung
Mitteilungen und “Beobachtungen” sowohl über als auch auf Social Media-Plattformen werden für klassische Medien immer wichtiger. Kanäle wie Twitter fungieren als “Markt für Neuigkeiten”, in ihnen kristallisieren sich Ausgangspunkte für Recherchen und Berichterstattungen heraus. Die freie IT- und Medienjournalistin Christiane Schulzki-Haddouti bringt das folgendermaßen auf den Punkt: «Als Anstoßpunkt für Recherchen eignen sich Blogs sehr gut. Sie können die journalistische Arbeit bereichern, weil sie zeigen, wie zivilgesellschaftlich gedacht wird – je nachdem in welchen Bereichen man recherchiert. Im Technik-Bereich geht es ohne Blogs gar nicht. Wenn ich wissen will, was eine Bürgerrechtsgruppe oder ein Verband zu einem bestimmten Thema denkt, dann stoße ich in der Regel auf Blogs. Das sind die zentralen Quellen.» Um als eine Soziale Bewegung, die sich an eine breite Öffentlichkeit wendet, die klassischen Medien entsprechend mit einbeziehen zu können, ist es wichtig, sich grundsätzlich zu überlegen, für welches Medium ihre Nachricht welchen Nachrichtenwert haben könnte und zu versuchen, ihre Kommuniqués entsprechend zu platzieren.
Was ist also wichtig, wenn eine Bewegung in den klassischen Medien vorkommen will?
- Ansprechpersonen nennen, E-Mail, Telefonnummer und dergleichen angeben, damit Journalist_innen rasch Kontakt aufnehmen können
- Eine/n oder mehrere Sprecher_innen haben, die mit Namen genannt und im Bild gezeigt werden und konkrete Aussagen über Kritik, Forderungen, Planungen, Ziele usw. tätigen können
- Konkrete auf- und vorbereitete Beispiele parat haben, mit Hilfe derer das Problem, der Missstand, die Forderungen dargestellt werden können
- Bildmotive für Fotos und Fernsehen bieten, wie zum Beispiel Transparente, Logos, Sprüche, Personen, Aktionen
- Glaubwürdige prominente Persönlichkeiten für die Sache gewinnen, die bei Aktionen anwesend sind, Interviews geben oder sich mit der Gruppe fotografieren/filmen lassen
- Fakten und Dokumente über die Geschichte einer Bewegung auf einer Website oder einer Plattform zugänglich machen – wann hat sie begonnen, was war der Anlass, wie schnell ist die Zahl der Mitglieder gestiegen, welche Aktionen wurden gesetzt usw.
- Kritik oder Forderungen zusammenfassen und veröffentlichen
- Texte, Fotos und Videomaterial von Aktivitäten der Bewegung zur Verfügung stellen.
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“Die wesentlichste Aufgabe im Journalismus ist die Recherche”, dieser Satz ist eine Perle. Das wird im Netz immer schwieriger. Zwar wird es immer leichter, etwas zu finden; nicht aber zu wissen, ob man auch das Relevante umfassend gefunden hat und ob das Gefundene belastbar ist. Suchmaschinen setzen mittlerweile vielfältige Filter ein, um dem Nutzer möglichst “gute” Ergebnisse zu liefern. Dazu analysieren sie nicht mehr nur die Menge der in Frage kommenden Treffer – das Objekt der Recherche, sondern auch den Nutzer selbst, das Subjekt der Recherche: Wo sitzt der, wonach hat er bisher gesucht, wonach haben “Freunde” von ihm gesucht? Die Wikipedia ist derzeit so wirkmächtig, dass sie die Realität ändern kann. Das belegen Zitierschleifen wie Wilhelm zu Guttenberg (der gefakte Vorname eines Bundesministers) oder Stalins Badezimmer (der erfundene Kosename der Karl-Marx-Allee in Berlin). Erstere wurde nach Stunden decouvriert, letztere nach zwei Jahren, und noch dazu durch ihren Schöpfer, nicht durch Recherche. Diese Wirkungsmacht setzten zunehmend die PR-Leute für ihre sinistren Ziele ein. Alles aus ‘sozialen Netzen’ ist schwer zu prüfen. Das wird oft vergessen, weil jeder Nutzer ‘sozialer Netze’ viele Informationen von anderen Nutzern bekommt, die er aus dem realen Leben bereits kennt. Damit hat ein wichtiger Check der Vertrauenswürdigkeit inhärent bereits stattgefunden. Bei vielen unbekannten Nutzern unterbleibt der, solange nur eine glaubwürdige Geschichte aufgetischt wird, wie im Fall der angeblichen lesbischen Bloggerin aus Syrien.
Schließlich bedeutet Informationen aus dem Netz zu vertrauen immer auch, auf das Funktionieren des Gesamtsystems zu vertrauen. Wenn ich http://www.spiegel.de aufrufe, sehe ich dann die Website des Spiegel. Normalerweise ja … solange ich mich nicht vertippt habe, mein Rechner nicht gehackt wurde, kein Adress-Spoofing stattfindet, spiegel.de nicht auf einer Sperrliste steht und weder der Spiegel noch der Link, auf den ich klickte, gehackt oder gephisht sind. Solange alles funktioniert, ist alles gut. Aber Angriffsmöglichkeiten gibt es viele.
Kurzum: Es kann gelingen, Quellen und Dokumente via Internet zu falsifizieren, Verifizieren ist sehr viel heikler.
Dienste im Social Web sind für Journalisten sehr hilfreich, da sie damit nicht nur ihren kompletten Workflow abdecken können, sondern auch neue Arbeitstechniken und Formate entwickeln können.
Monitoring: Journalisten können über RSS-Nachrichtenströme beobachten, was andere Journalisten im Internet veröffentlichen, und was andere über die eigene Berichterstattung sagen. Über das Internet lässt sich außerdem nicht nur beobachten, was Unternehmen, Parteien, zivilgesellschaftliche Organisationen bewegt, sondern auch was Betroffene, Verbraucher, Aktivisten, Verbraucher erleben und denken. Hier lassen sich neue Themen entdecken.
Recherche erstreckt sich nicht nur über RSS-gewonnene Informationen, sondern auch auf soziale Netzwerke sowie das Erstellen gemeinsamer Social Bookmarks. Diese können wiederum als Linklisten über Widgets in redaktionelle Inhalte eingebunden werden.
Planen und Managen: Redakteure und Autoren können gemeinsam Themen planen und abstimmen über webbasierte Anwendungen. Wikis etwa eignen sich für ein umfangreiches redaktionelles Wissensmanagement. Außerdem können sie Termine über gemeinsame Kalender abstimmen.
Kommunikation und Koordination: Journalisten können sich über webbasierte Tools austauschen. Dabei kann die bewährte E-Mail mit Instant Messaging und Microblogging ergänzt werden. Inhalteproduktion – Produktionssysteme können so gestaltet werden, dass sie nicht nur Autoren, sondern auch Leser direkter einbinden. So setzt etwa das Schweizer „Das Magazin“ sowohl eine Blog- wie auch eine Wikisoftware ein; „Der Freitag“ sammelt über seine Internetplattform Beiträge unterschiedlichster Qualität ein, die er für seine Druckausgabe selektiert.
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Crowdsourcing: Rechercheprozesse und Produktionssysteme können so gestaltet werden, dass sie nicht nur Autoren, sondern auch Leser direkter einbinden.